Erhöhung beim Dorsch gleicht Senkung beim Hering nicht aus

22.10.2020

„Wenn die Minister dem Vorschlag der EU-Kommission folgen, ist das unser Ende“, sagte noch vorgestern Jörn Ross zur Bundestagsabgeordneten Petra Nicolaisen. Gemeinsam mit dem Landtagsabgeordneten Johannes Callsen hatte sie den Holmer Fischer und seine Söhne Christian und Nils besucht, um über die Quoten und den Kormoran-Fraß zu sprechen.
„Heute wissen wir, dass die Minister nicht dem Vorschlag der Kommission gefolgt sind. Diese hatten vorgeschlagen, die Fangmenge auch für Dorsch, je nach wissenschaftlichem Modell, 2021 um bis zu 70 Prozent zu senken. Das wäre eine absolute Katastrophe für die Fischer gewesen“, so die Bundestagsabgeordnete.
„Dass wir nächstes Jahr fünf Prozent mehr Dorsch fangen dürfen, ist tatsächlich eher eine Bestandsgarantie auf zu niedrigem Niveau“, stellt Jörn Ross dazu fest. „Um den Betrieb zu erhalten, ist das zu wenig. Die Kürzung von 50 Prozent beim Hering wird das Aus für Heringsbetriebe bedeuten. Die Erhöhung beim Dorsch gleicht nicht die Senkung beim Hering aus.“
Entsetzt zeigten Callsen und Nicolaisen sich unterdessen über die gewaltigen Schädigungen des Fischbestandes in der Schlei durch Kormorane. „Es gibt fast keine Maränen mehr, Barsche sind knapp und jeder zweite bis dritte Aal ist angefressen und dass, obwohl wir im Vergleich zu den Vorjahren eher weniger Kormorane haben“, berichtet Jörn Ross, der bisher keinerlei staatliche Entschädigungen angenommen hat. „Was nützt uns drei Familien eine vierstellige Entschädigung, wenn wir dann mit unseren Booten nicht mehr rausfahren dürfen“, fragt er. Dann würde er sein Hauptgeschäft, den Direktverkauf im Hafen und damit langfristig Kunden verlieren. Was die Kormorane betreffe, würden drei Jahre ohne sie helfen, dass sich die Bestände von marktfähigem Zander und Maränen erholen. Dieser Effekt habe sich schon nach drei Monaten des Eiswinters 2008 bzw. 2009 eingestellt.
„Wir brauchen eine Einregulierung der Komoran-Bestände“, zeigt sich Callsen überzeugt. Dazu sei Schleswig-Holstein allein nicht in der Lage. „Deshalb brauchen wir ein europaweites Management, mit dem die Bestände europaweit reglementiert werden können.
Probleme für viele Fischarten aber auch Vögel und Enten sehen Fischer auch durch moderne Wassersportarten. Kite-surfer, Stand up Paddler und Hausboote würden in die letzten Winkel vordringen, den Nachwuchs stören oder durch ihre Geschwindigkeit verletzen. Ross hat zum Schluss aber auch noch eine positive Nachricht: „Der Aalbesatz zeigt eine erfreuliche Wirkung. Die Bestände entwickeln sich gut. Das freut mich wirklich.“