Moderne Mobilität für Lebensqualität und Klimaschutz an der Schlei

26.11.2019

Auf Einladung des CDU-Landtagsabgeordneten Johannes Callsen waren zahlreiche interessierte Bürger aus den Bereichen Wirtschaft, Tourismus und Kommunalpolitik nach Mohrkirch gekommen, um sich Gedanken über moderne Mobilitätsformen auch im ländlichen Bereich zu machen. Johannes Callsen berichtete, dass das Land den Kommunen ab 2020 insgesamt 33 Millionen Euro für den Bereich ÖPNV zur Verfügung stellt, eine Steigerung im kommenden Jahr um fünf Millionen Euro.

Johannes Callsen unterstrich besonders den Wunsch der Gemeinden nach Wiedereröffnung der Bahnhalte Mohrkirch und Lindaunis und die Reaktivierung der Bahnstrecke Süderbrarup-Kappeln für den Schienenpersonennahverkehr, um Touristen des Ostsee-Resort Olpenitz an das ÖPNV-Netz anzubinden. Er werde sich dafür einsetzen, dass diese Anliegen bei der Aktualisierung des Landesnahverkehrsplanes geprüft werden. Auch könne die Schlei-Region Modellregion für App-gestützte Verkehrsangebote für Touristen nach dem Modell von „flowBie“ werden. Hierzu sei die Schließung von Funklöchern durch das neue Programm der Bundesregierung nötig.

Jana Blaas, zuständig für das Infrastrukturmanagement bei der Ostseefjord Schlei GmbH, berichtete in ihrem Eingangsstatement, dass sich viele Gäste über die durch Baumwurzeln beschädigten Radwege beschweren und bemängeln, dass es an vielen Kreisstraßen gar keine Radwege gibt. Außerdem wird die mangelnde mobile Internetanbindung kritisiert. ÖPNV gibt es leider nur auf Hauptverkehrsstraßen. Wenn sie einen Wunsch äußern dürfte, dann würde sie sich über das Angebot von Rufbussen oder Car/Vespa/Bike Sharing freuen. Als Musterbeispiel nannte Jana Blaas „flowBie“, eine App aus Bielefeld, mit der ÖPNV, Rufbusse und Sharingangebote miteinander verknüpft werden.

Für die Wirtschaft berichtete Stefan Wesemann, der Leiter der IHK-Geschäftsstelle in Schleswig, dass es immer noch Lehrlinge im ländlichen Raum gäbe, die nicht rechtzeitig mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Arbeitsplatz oder zur Berufsschule kommen können. „Der wichtigste Tag im Leben eines Landmenschen ist der, an dem er seinen Führerschein macht“, stellte Wesemann klar. Er berichtete weiter, dass in den Kreisen Rendsburg-Eckernförde und Nordfriesland Taxigutscheine ausgegeben werden, die es ermöglichen, nachts zum halben Preis mit dem Taxi nach Hause zu kommen.

Der Kreistagsabgeordnete Thomas Jepsen, Vorsitzender des Werk- und Infrastrukturausschusses des Kreises, ging auf die aktuelle Situation im ÖPNV des Kreises ein. Das Teilnetz West wurde zu Beginn des Jahres an einen neuen Anbieter vergeben und das zog massive Probleme nach sich. Zum Teil werden die vereinbarten Leistungen heute noch nicht erbracht. Im Teilnetz Süd startet ein anderer neuer Anbieter zu Beginn des Jahres 2020 und im Teilnetz Ost dann in 2021. Hier läuft im Moment die Ausschreibung. Kritik an der mit zehn Jahren zu langen Konzessionsvergabe konterte Jepsen damit, dass die Betriebe Sicherheit für ihre zum Teil massiven Investitionen in neue Busse bräuchten. Um die Möglichkeit zu schaffen dass die Bahn an zusätzlichen Orten in Angeln, wie Mohrkirch oder Lindaunis, hält, müssten nach Jepsens Aussage ungesicherte Bahnübergänge gesichert oder geschlossen werden, um die Züge schneller fahren lassen zu können. Ab 2022 wird die Bahn auf der Strecke Flensburg – Kiel neue Züge einsetzen, die einen oder zwei zusätzliche Haltepunkte dann vielleicht ermöglichen.

Im Laufe der weiteren Veranstaltung wurden zahlreiche Ideen vorgetragen, wie man die Mobilität in der Schleiregion verbessern könne. So wurde z. B. angeregt Seilbahnen zu errichten, Busse auch auf Kreisstraßen einzusetzen, kleinere Busse einzusetzen, mehr Radwege an Kreisstraßen zu bauen, bestehende Radwege zu sanieren, die Beschilderung an den Radwegen zu verbessern und mehr Ladestationen für E-Autos einzurichten.